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Essentielle Fettsäuren

Was sind essentielle Fettsäuren? Der Begriff „essentiell“ leitet sich vom lateinischen „essentia“ (Wesen) ab und bedeutet in der Biologie: lebensnotwendig. Essentielle Fettsäuren kann der Körper nicht selbst herstellen – sie müssen über die Nahrung aufgenommen werden.

In diesem Ratgeber erfährst du, welche Fettsäuren essentiell sind, wo sie vorkommen, warum das Verhältnis von Omega 3 zu Omega 6 so wichtig ist und was bei einem Mangel passiert.

Welche Fettsäuren sind essentiell?

Essentielle Fettsäuren Infografik
Essentielle Fettsäuren Infografik. Die Infografik kann hier als PDF heruntergeladen werden.

Fettsäuren gibt es in vielen verschiedenen Formen. Man unterteilt sie grob in gesättigte, einfach ungesättigte und mehrfach ungesättigte Fettsäuren.

Der menschliche Körper kann die meisten benötigten Fettsäuren selbst herstellen (synthetisieren). Nur zwei Fettsäuren sind essentiell – sie können nicht im Körper gebildet werden, weil uns die nötigen Enzyme für bestimmte Doppelbindungen in der Kohlenstoffkette fehlen:

  • alpha-Linolensäure (ALA) – gehört zu den Omega-3-Fettsäuren (ω3)
  • Linolsäure (LA) – gehört zu den Omega-6-Fettsäuren (ω6)

Beide Fettsäuren müssen über die Nahrung zugeführt werden. Aus ALA kann der Körper weitere Omega-3-Fettsäuren wie EPA und DHA herstellen (allerdings nur in geringem Umfang). Aus Linolsäure bildet der Körper unter anderem Arachidonsäure, die bei Entzündungsprozessen eine Rolle spielt.

Übersicht: Essentielle und semi-essentielle Fettsäuren

FettsäureGruppeStatusVorkommen
alpha-Linolensäure (ALA)Omega 3EssentiellLeinöl, Chiasamen, Walnüsse, Rapsöl
Linolsäure (LA)Omega 6EssentiellSonnenblumenöl, Sojaöl, Maiskeimöl, Nüsse
EPA (Eicosapentaensäure)Omega 3Semi-essentiellFetter Seefisch, Fischöl, Algenöl
DHA (Docosahexaensäure)Omega 3Semi-essentiellFetter Seefisch, Fischöl, Algenöl
Arachidonsäure (AA)Omega 6Semi-essentiellFleisch, Eier, Innereien
Semi-essentiell = kann der Körper aus essentiellen Fettsäuren herstellen, aber oft nur unzureichend

EPA und DHA werden als semi-essentiell (oder bedingt essentiell) bezeichnet, weil der Körper sie zwar aus ALA bilden kann, die Umwandlungsrate aber sehr gering ist: nur ca. 5–8 % für EPA und unter 1 % für DHA bei Männern. Deshalb empfehlen Ernährungsgesellschaften, EPA und DHA zusätzlich direkt über die Nahrung oder Supplemente aufzunehmen.

In welchen Lebensmitteln stecken essentielle Fettsäuren?

Beide essentielle Fettsäuren kommen in vielen Lebensmitteln vor – aber in sehr unterschiedlichen Mengen.

Omega-3-reiche Lebensmittel (ALA, EPA, DHA)

LebensmittelOmega-3-TypGehalt pro 100 g
LeinölALAca. 53.000 mg
ChiasamenALAca. 17.800 mg
WalnüsseALAca. 9.100 mg
Lachs (Wildlachs)EPA + DHAca. 2.200 mg
HeringEPA + DHAca. 1.700 mg
MakreleEPA + DHAca. 2.600 mg
SardinenEPA + DHAca. 1.400 mg
Omega-3-Gehalt ausgewählter Lebensmittel

Das Problem: Zu viel Omega 6 in unserer Ernährung

In der westlichen Ernährung nehmen wir reichlich Omega-6-Fettsäuren (Linolsäure) auf – über Sonnenblumenöl, Margarine, Fleisch, Wurst und Eier. Omega-3-Fettsäuren kommen dagegen deutlich zu kurz.

Das Verhältnis von Omega 6 zu Omega 3 sollte idealerweise bei 2:1 bis 5:1 liegen. In Deutschland liegt es tatsächlich bei 15:1 bis 30:1 – also weit vom Optimum entfernt.

Dieses Ungleichgewicht ist besonders problematisch, weil beide essentiellen Fettsäuren um die gleichen Enzyme konkurrieren (Delta-6-Desaturase). Wenn viel Omega 6 vorhanden ist, werden die wenigen Omega-3-Fettsäuren noch schlechter umgewandelt.

Fettsäuren Omega3, Omega6 Synthese
Omega-3 und Omega-6 Fettsäuren konkurrieren um die gleichen Enzyme bei der Umwandlung

Lebensmittel mit gutem Omega-3:Omega-6-Verhältnis

  • Leinsamen und Leinöl (Verhältnis ca. 4:1 zugunsten Omega 3)
  • Grünkohl, Spinat, Rosenkohl, Radieschen, Kohlrabi
  • Papaya, Mango, Süßkirschen
  • Fetter Seefisch (Lachs, Hering, Makrele, Sardinen)

Tagesbedarf essentieller Fettsäuren

FettsäureTagesbedarf (DGE / EFSA)Praktisch
ALA (Omega 3)0,5 % der Energiezufuhr (ca. 1,1–1,3 g/Tag)1 EL Leinöl oder 2 EL Chiasamen
Linolsäure (Omega 6)2,5 % der Energiezufuhr (ca. 5,5 g/Tag)In der Regel über normale Ernährung gedeckt
EPA + DHA (empfohlen)250 mg/Tag (DGE/EFSA)2 Fischmahlzeiten/Woche oder Supplement
Tagesbedarf der essentiellen und semi-essentiellen Fettsäuren. Mehr zur Omega-3-Dosierung.

Mangel an essentiellen Fettsäuren

Ein Mangel an essentiellen Fettsäuren – insbesondere ein Omega-3-Mangel – kann erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Da in unserer Ernährung Omega-6-Fettsäuren im Überfluss vorhanden sind, liegt das Problem fast immer bei einem Mangel an Omega 3.

Mögliche Symptome bei einem Mangel

  • Depressive Stimmung und psychische Probleme
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Schlafstörungen
  • Schlechte Wundheilung
  • Eingeschränkte Leberfunktion
  • Nierenerkrankungen
  • Störungen im Fettstoffwechsel
  • Geschwächtes Immunsystem
  • Trockene, schuppige Haut
  • Erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Erhöhtes Krebsrisiko

Da diese Symptome viele Ursachen haben können, lässt sich ein Mangel am besten über einen Omega-3-Bluttest nachweisen. Der Test misst den Omega-3-Index und das Verhältnis von Omega 6 zu Omega 3 im Blut.

Häufige Fragen zu essentiellen Fettsäuren (FAQ)

Was bedeutet essentiell bei Fettsäuren?

Essentiell bedeutet „lebensnotwendig“ – der Körper benötigt diese Fettsäuren für lebenswichtige Funktionen, kann sie aber nicht selbst herstellen. Sie müssen über die Nahrung zugeführt werden. Bei Fettsäuren sind genau zwei essentiell: alpha-Linolensäure (Omega 3) und Linolsäure (Omega 6).

Sind EPA und DHA auch essentiell?

Im strengen biochemischen Sinne nicht, da der Körper EPA und DHA aus ALA herstellen kann. Da die Umwandlungsrate aber sehr gering ist (unter 10 %), gelten sie als semi-essentiell oder bedingt essentiell. In der Praxis empfehlen alle Gesundheitsbehörden, EPA und DHA zusätzlich direkt aufzunehmen.

Wie erkenne ich einen Mangel an essentiellen Fettsäuren?

Typische Anzeichen sind trockene Haut, Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, häufige Infekte und depressive Verstimmungen. Da diese Symptome viele Ursachen haben können, bringt ein Bluttest Klarheit. Ein Omega-3-Index unter 4 % gilt als Mangel, 8–11 % ist optimal.

Warum ist das Omega-6:Omega-3-Verhältnis so wichtig?

Beide essentiellen Fettsäuren nutzen die gleichen Enzyme zur Umwandlung. Zu viel Omega 6 blockiert die Verarbeitung von Omega 3. Außerdem fördern Omega-6-Abbauprodukte (z. B. Arachidonsäure) Entzündungen, während Omega-3-Abbauprodukte entzündungshemmend wirken. Ein ausgeglichenes Verhältnis (unter 5:1) unterstützt daher die Gesundheit.

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